[AL] Article sur Mack Rides

Publié le par parcattractions.fr

KARUSSELLBAU  / Nahe des Europa-Parks Rust steht Deutschlands älteste und innovativste Spaßmanufaktur
Hinein ins Vergnügen!

Der Familienbetrieb Mack beliefert seit 125 Jahren die Jahrmärkte der Welt. Viele Freizeitparks setzen auf Innovationskraft und Qualität aus Baden.

HANS CHRISTOPH WAGNER



SPRITZIG: Im Europa-Park Rust testet Mack seine Fahrgeschäfte. Die Wildwasserbahn ist dabei beliebter als die aufregendsten neuen Achterbahnen. 
Foto:Hans Christoph Wagner 

Einen Miss-Wet-T-Shirt-Wettbewerb gibt es hier nicht. Die französischen Mädchen hätten aber die besten Chancen zu gewinnen. Immer wenn ein Boot die Rampe hinunterstürzt und ins Wasser peitscht, verschwinden sie von Kopf bis Fuß hinter der gigantischen Bugwelle, die sich über den Beckenrand ergießt. Drin sitzen die, die gerade 30 Meter kopfüber in die Tiefe gerast sind, mit Kreischen und hochgerissenen Armen. Unten dann Entspannung. Manche klatschen, strecken den Daumen in die Luft. Viele lachen übers ganze Gesicht, nass und glücklich. Sie haben es sich angetan, Grenzen überschritten. In der Schlange war es noch Adrenalin. Jetzt, nach der Fahrt mit „Atlantica Supersplash“, pumpen Endorphine durch den Körper. Ganz normal an einem beliebigen Sommertag im Europa-Park, bei 35 Grad im Schatten.
Ortswechsel: Gewerbegebiet Mauermatten heißt das hier. Gegenüber ein Lidl. Am Firmengebäude prangt ein großes „Mack“. Am Eingangstor für Besucher findet man das Logo: eine kleine Weltkugel, gekrönt von einem Zirkuswagen. „Die weite Welt ist mein Feld“, steht drauf. Hier soll sie also sein: Deutschlands innovativste Spaßmanufaktur.

Hier wird ersonnen, geplant und gebaut, was in Freizeitparks weltweit die Menschen herumschleudert, durchschüttelt, auf den Kopf stellt, mit dem Vielfachen des Körpergewichts in die Sitze drückt, schwerelos macht. „Heinrich Mack GmbH und Co. Karussell- und Fahrzeugbau“, hieß sie früher. Seit letztem Jahr heißt sie „Mack Rides“. Vermutlich wird niemand in Waldkirch vom neuen Namen schon Notiz genommen haben. Hier, in dem südbadischen Städtchen, 40 Kilometer vom Europa-Park entfernt, heißt das Unternehmen einfach nur „der Mack“. 225 Jahre ist es jetzt schon da, immer an derselben Stelle, am Flüsschen Elz.

Angefangen hat alles wenig glamourös. Paul Mack baute ab 1780 Mist- und Leichenwagen, ab 1880 auch Kutschen und Wagen für das damals weit verbreitete Orgelhandwerk. Die gab es auch auf dem Rummel, der Kirmes. So begann sich bald jene Liaison mit dem „fahrenden Volk“ herauszubilden, die die Firma bis heute prägt. Da preist in einer Zeitungsannonce Heinrich Mack 1913 seine „Salon-Wohnwagen“ mit 7,80 Meter Länge „hochachtungsvollst“ der geneigten Leserschaft an. Das war die Zeit der großen Zirkusse: Krone, Knie, Sarrasani – jedem Kind bekannte Dynastien. Mack war von 1915 an „Hoflieferant“ des Zirkus Krone. Die Wagen aus Waldkirch glichen großbürgerlichen Salons. Doch die Zeit der Höfe war nach dem Ersten Weltkrieg vorbei. Das Volk wollte sich jetzt amüsieren und das schneller, höher, aufregender. 1921 baute Mack die erste Holzachterbahn.

„Die ist bis Mitte der neunziger Jahre noch gelaufen, in Kopenhagen“, weiß Miro Gronau, Projektentwickler im Europa-Park. Den haben Franz Mack und sein Sohn Roland vor 30 Jahren in Rust eröffnet. Davor, in den fünfziger Jahren, war der Schritt über den Großen Teich geglückt. Disneyland und andere amerikanische Parks gierten nach deutscher Wertarbeit. Das Problem war nur: Niemand konnte die Achterbahnen dort im Betrieb erleben. So entstand die Idee zum eigenen Park, vor der Haustür, als Visitenkarte, Erprobungsfeld, Schaufenster. Gemeinhin gelten Schwarzwälder als nüchterne Naturen, als gottesfürchtig, besonnen, bodenständig. So auch die Macks.

Als sie den Europa-Park gründeten, zweifelten deshalb in Waldkirch auch manche, ob die „noch ganz sauber“ seien. Ein Vergnügungspark in der Provinz, mit der Grenze nach Frankreich im Rücken, keine Großstadt weit und breit? Viele unkten, schon bald würde der Pleitegeier über dem „Schnakenloch“ zwischen den Altrheinarmen kreisen. Keine Bank wollte zu dem Projekt auch nur eine Mark Kredit geben.

Heute ist die 30 Jahre alte Tochter der 225-jährigen Mutter längst über den Kopf gewachsen. Der Park ist der Hype, MackRides führt ein Schattendasein. Dabei stammen die Fahrgeschäfte in Rust zu 90 Prozent von dort. Und auch in den anderen deutschen Parks sorgen Mack-Anlagen für Nervenkitzel, ob in Phantasialand, Legoland, Heide-Park, Holiday Park oder Movie Park in Bottrop-Kirchhellen. Nach Seaworld in Florida und Kalifornien haben die Waldkircher den Typ Wasserachterbahn geliefert, der im Europa-Park „Poseidon“ heißt und im Griechischen Viertel steht.

Dort soll 2006 eine neue Attraktion entstehen, kündigt Gronau an und will nicht mehr verraten. Ganz schwarzwälderisch, also einsilbig, kann der „Neigschmeckte“ werden, wenn es um neue Projekte geht. Stahlschienen liegen auf dem Werksgelände, bereit zum Verladen. Nur so viel will Gronau verraten: Die Achterbahn geht nach Holland. Dort soll sie in ein Gebäude hineingebaut werden. „Wir müssen mit den Schienen durch Haustüren“, sagt der Mann. Daher sind die Stränge ganz kurz gesägt. Es wird ein „E-Motion-Coaster“. „Rock 'n' Roll auf Schienen“ nennt Mack das, weil die Aufbauten auf den Fahrgestellen sich während der Fahrt dreidimensional bewegen können. Vom Design sollen es pinkfarbene Heckflossen-Cadillacs werden. Unsicher wolle man die Insassen damit machen. Noch unsicherer.

Dabei ist klar: Die Unsicherheit darf nur in den Köpfen sein. Hier wird Gefahr nur suggeriert. Passieren darf nie etwas. Und das ist es auch noch nie. „Bisher hat es nur zwei Unfälle mit Fahrgeschäften von uns gegeben, und da war immer der Betreiber schuld“, versichert Günter Burger, Entwicklungschef von Mack Rides. Der hat noch die Zeit des Reißbretts erlebt. Heute entstehen neue Fahrgeschäfte zunächst virtuell, als 3-D-Computerbilder. Man habe in der Abteilung ein „Progrämmle“ geschrieben. Mit dem könne man den Betrieb der noch unausgereiften Konstruktionen simulieren. Lange bevor die Testfahrten beginnen. Die hat man früher mit Sandsäcken gemacht. Heute sind es wassergefüllte Dummies. Nach denen fährt immer noch Parkchef Roland Mack damit. Für den ist es auch mit 55 noch das Größte, die Achterbahn als erster Mensch auszutesten – Big Mack Rides.



Beinahe so lange, wie es den Europa-Park gibt, ist Thomas Trenkle beim Mack angestellt. Andere Hersteller haben den Stahlbau nach Osteuropa verlagert. Mack Rides nicht. Der gelernte Schlosser setzt gerade eine verspiegelte Metallkugel auf eine Querstrebe. Fünf Meter entfernt steht ein Laser, der signalisiert, dass er die Kugel anvisiert hat. Trenkle läuft zum PC, liest die Daten ab. Das wiederholt er mehrmals pro Strebe. So soll das virtuelle Modell der Achterbahnschiene mit der exakten Positionierung der Schweißpunkte in die handfeste Version aus Stahl eins zu eins umgesetzt werden . „Nullebene“ heißt das neue Verfahren, das Burger zufolge die Produktionszeit einer Achterbahn um die Hälfte verkürzt und für ein noch sichereres und bequemeres Fahren sorgt. Früher hieß es auch mal: Was nicht passt, wird passend gemacht. Wie bei der Modelleisenbahn sei das gewesen, sagt Burger. Da steckt man Gleise ineinander und merkt dann, wenn sich der Kreis schließen soll, dass es nicht hundertprozentig passt.

Früher mussten sie auch die Anlagen auf dem Firmengelände aufbauen, um zu prüfen, ob alles richtig sitzt. Heute ist das nicht mehr notwendig, sehr zur Freude von Trenkle. Der muss jetzt nicht mehr draußen auf kaltem Stahl, in 20 Meter Höhe, herumturnen. Herbst und Winter ist die Hauptsaison im Achterbahngeschäft. Dann wollen die Parks die neuen Attraktionen geliefert haben, um im Sommer damit aufzumachen.

Wahrscheinlich haben Schausteller einen eigenen Kodex. Jedenfalls gebe es unter den deutschen Freizeitparks kein Konkurrenzdenken, meint Gronau. Die Branche sei ja so klein. Jeder kenne jeden. Jeder teile mit jedem diese „besondere Emotion“: „Die brauchen das Kreischen der Leute wie ein Lebenselixier, für die ist das Musik in den Ohren“, schwärmt er. Früher seien die Geschäfte per Handschlag besiegelt worden.



Das dürfte immer schwieriger werden, sterben doch die Familienbetriebe unter den Parks aus. Der Heide-Park ist schon zweimal verkauft worden. Jetzt gehört er einem Beteiligungsfonds aus dem Wüstenemirat Dubai. Nach Brunei hätte Mack mal eine Geisterbahn liefern sollen. Doch das Geschäft platzte. Der Käufer fürchtete, die Fahrgäste könnten sich im Dunklen zu unsittlichen Handlungen verleiten lassen. Dass sich ein Mensch des 21.Jahrhunderts in einer Geisterbahn noch gruselt, ist ja auch ziemlich unwahrscheinlich. Bei Mack haben sie die letzte vor 20 Jahren gebaut. Was geht und was nichtentscheidet sich im Europa-Park.

Auf der Teststrecke zeigt sich auch, dass nicht immer die größte Sensationslust den Erfolg bringt. Der „Silver Star“ ist die neue Mega-Achterbahn, 130 Kilometer pro Stunde schnell und mit 73 Metern die höchste Europas. Doch hier wartet man auch kaum länger als an der „Tiroler Wildwasserbahn“, die schon seit 27 Jahren ihre Runden dreht. Selbst die Floßfahrt im Holländischen Viertel, wo Flöße im Zeitlupentempo an Seilen über einen See gezogen werden, ist beliebt.

Der „Silver Star“ ist in Rust schon das äußerste Zugeständnis an den aktuellen Adrenalin-Hype. Mack hätte sie konstruieren sollen, doch die Waldkircher wollten nur auf 53 Meter Höhe gehen. Also hat sie Bolliger & Mabillard aus der Schweiz gebaut. Megolamanie ist nicht die Sache der Südbadener. Sie bauen am liebsten Fahrgeschäfte, in die auch die Oma noch einsteigt. Miro Gronau: „Unsere Firmenphilosophie sagt, dass jedes Fahrgeschäft von 60 Prozent aller Besucher benutzbar sein soll.“ Auf Badisch heißt das: Nur net übertreibe!

© Rheinischer Merkur

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